Alles vegan!?

Lebensmittelfarben © voll veggie!

Wer bisher glaubte, sich vegan zu ernähren, indem er auf tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier und Honig verzichtet, der irrt! Denn nicht selten sind vermeintlich vegane und nicht mit explizit „vegan“ gekennzeichte Produkte mit Zusatz- und Hilfsstoffen tierischen Ursprungs versehen bzw. behandelt!

Vegan ist also nicht gleich vegan! Neben den „üblichen“ und vermeintlich normalen tierischen Zusatzstoffen wie Milch und Honig nennt voll veggie! hier die wichtigsten, häufig versteckten und in der Lebensmittelindustrie eingesetzten nicht veganen Zusatz- und Hilfsstoffe.

Inhaltsübersicht:

1. Gelatine (E 411)
2. Tierisches Lab
3. Echtes Karmin (E 120)
4. Schellack (E 904)
5. Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E 471)
6. Fazit

1. Gelatine (E 411)

Gelatine ist wohl die bekannteste und meistverbreitete Zutat beim Kochen und Backen, z. B. als Gelier- und Verdickungsmittel unter anderem für Marmeladen, Desserts und Torten. Nicht minder findet Gelatine aber auch Anwendung als Zusatz- und Hilfsstoff in der Lebensmittelindustrie für Süßigkeiten wie Fruchtgummi, Schaum­zucker­waren (z. B. Marshmallows, „Mäusespeck“) und Schokoküsse; für Milchprodukte wie Weich- und Frischkäse sowie Joghurt; für Streichfette wie Margarine sowie – als Klärmittel – für Getränke wie Säfte und Weine und für Zucker (hier vereinzelt auch noch mit Tierkohle). Auch in der Pharmaindustrie ist die Verwendung von Gelatine fester Bestandteil, z. B. für die Herstellung von Kapseln und Zäpfchen.

Doch was ist Gelatine überhaupt?

Gelatine wird aus gekochten Häuten, Sehnen, Knorpeln und Knochen von Tieren – vornehmlich von bereits toten Schweinen (Schweineschwarten), aber auch von Rindern, Geflügel und Fischen – als Nebenprodukt der Schlachtbetriebe hergestellt.

Wie erkenne ich Gelatine in Lebensmitteln?

Hinweis auf Gelatine in Lebensmitteln sind die Bezeichnungen: Gelatine, Gelatinepulver, E 411 (europ. Zulassungsnummer).

Gibt es Alternativen zur tierischen Gelatine?

Aber klar; jede Menge sogar! Wunderbare Alternativen zur Gelatine sind unter anderem Agar-Agar (aus Meeresalgen), Sago (aus Sagopalmen oder Kartoffeln), Pektine (aus Obstzellwänden), Johannisbrotkernmehl (aus Johannisbrotbäumen), Guarkernmehl (aus Guarbohnen), Xanthan (aus Bakterien gebildetes Kohlenhydrat) oder Karrageen (aus Meeresalgen).

Meine direkten Anfragen bei den 3 größten deutschen Zuckerproduzenten „Nordzucker“, „Südzucker“ und „Pfeifer & Langen“ („Diamant Zucker“) ergaben übrigens, dass bei der Zuckerherstellung weder tierische Zutaten noch tierische Hilfsmittel eingesetzt werden (Stand 09/2015)!

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2. Tierisches Lab

Lab in Käse ist für viele sicherlich nicht wirklich Thema und wird selten hinterfragt. Dabei ist das Wissen um Lab insbesondere für Vegetarier essenziell. Doch was ist Lab eigentlich und welche Funktion hat es inne?

Was ist überhaupt „Lab“?

Lab ist ein Produktionshilfsstoff und lässt Milch gerinnen, ohne sauer zu werden. Es ist ein Enzym aus den Labmägen von noch Milch trinkenden Wiederkäuern – vorwiegend von Kälbern, aber auch Schafen und Ziegen – und wird nach der Schlachtung aus deren Mägen gewonnen. Hierfür werden die Kälbchen im Übrigen nur wenige Tage nach der Geburt von der Mamakuh getrennt!

Welche Alternativen gibt es zum tierischen Lab?

Die Alternative zu tierischem Lab ist die natürliche Säuerung durch Bakterien, das mikrobielle Lab (Labaustauschstoff aus Schimmelpilzen), das gentechnische Lab (Labaustauschstoff aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen) oder der pflanzliche Labersatzstoff (aus Distelkräutern, Artischocken oder Eberwurzen). Allerdings eignet sich nicht jede Labalternative zum Herstellen von Käse, zum Beispiel für ältere Käsesorten; auch kann der Käsegeschmack erheblich leiden.

Und Käseimitate?

Käseimitate unter anderem aus Sojabohnen, pflanzlichen Fetten, Gerinnungsmitteln und Aromen sind hier die vegane, aber leider nicht die gesündeste Alternative – übrigens ein sogenannter Analogkäse, der noch vor Jahren von der Gesellschaft verpönt wurde! Trotzdem ist veganer, industriell hergestellter Käse – wenn nicht selbst hergestellt – wohl die beste Alternative zu tierischem Käse!

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3. Echtes Karmin (E 120)

Karmin ist unter anderem ein Lebensmittelfarbstoff. Auch wenn heute vermehrt synthetische Farbstoffe (u. a. „Cochenillerot A“, europ. Zulassungsnummer E 124) zum Einsatz kommen, fungiert Karmin noch immer als roter Lebensmittelfarbstoff (E 120 „Echtes Karmin“) z. B. in Back- und Speisefarben, Marmeladen, (alkoholischen) Getränken und Süßigkeiten, aber auch als Farbstoff in der Kosmetikindustrie, z. B. in Lippenstiften und Shampoos.

Woraus besteht Karmin eigentlich?

Karmin wird ausschließlich aus befruchteten und getrockneten, also weiblichen Koschenilleschildläusen gewonnen. Hierbei wird der Farbstoff durch Quetschen und Auskochen der Schildläuse extrahiert. Laut Deutschlands größter Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. » werden mehr als 150.000 Schildläuse bei lebendigem Leib zerquetscht und getötet, um ein einziges Kilogramm des roten Karmin-Farbstoffes herzustellen (Stand 04/2014 | Artikel zuletzt aufgerufen am 05.10.2017).

Wie erkenne ich Karmin in Lebensmitteln?

Hinweis auf Karmin in Lebensmitteln, aber auch Kosmetikprodukten: Karmin, Echtes Karmin, Karminsäure, Karminrot, E 120, Carmine, Cochinille, Cochineal, Cochineal Extract, CI 75470, Crimson lake, Carmine lake oder Natural red 4.

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4. Schellack (E 904)

Schellack ist unter anderem ein Lebensmittelzusatzstoff und wird in der Lebensmittelindustrie als Trenn- und Überzugsmittel eingesetzt. Als Überzugsmittel sorgt Schellack für einen „schönen Glanz“ in Süßigkeiten wie Schokolade, Kaugummi- und Schokodragees sowie in Backdeko wie essbare Zuckeraugen etc. Als Überzug von Früchten wie zum Beispiel Orangen, Zitronen und Äpfeln dient er zusätzlich als Konservierungsstoff; hierfür werden die Früchte in Schellack getaucht und mit der Bezeichnung „gewachst“ versehen.

In der Arzneimittelindustrie wird Schellack als Überzugsmittel für Tabletten und Dragees eingesetzt. In der Kosmetikindustrie findet er Anwendung als Bindemittel in Mascara, als Glanzgeber in Haarspray und Nagelack sowie als „natürlicher“ Emulgator in Cremes. In der Farb- und Lackindustrie wird Schellack beispielsweise in Druckfarben und Möbelpolituren verarbeitet.

Woraus besteht Schellack eigentlich?

Schellack wird ausschließlich aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen, die sich von Baumsäften ernähren und diese als harzartige Substanz ausscheiden, der wiederum als Schutz für die gelegten Eier dient. Nicht immer können bei der „Ernte“ alle Läuse von den Bäumen entfernt werden, sodass laut Deutschlands größter Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. » das Harz zusammen mit Rindenstücken und übrig gebliebenen Läusen vom Baum gekratzt und durch Aufkochen, Auswaschen und Zermahlen zu Schellack verarbeitet wird (Artikel zuletzt aufgerufen am 05.10.2017).

Wie erkenne ich Schellack in Lebensmitteln?

Hinweis auf Schellack in Lebensmitteln, aber auch Kosmetik- und Lackprodukten: Schellack, Shellac, E 904, Stocklack, „gewachst“ (z. B. Obst), „Resinous Glaze“ oder Schellackpolitur.

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5. Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E 471)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren dienen als Emulgator und Mehlbehandlungsmittel und finden sich unter anderem vorwiegend in Brot- und Backwaren, Margarine- und Milchprodukten sowie in diversen Fertigprodukten, aber auch in Kosmetika wie Cremes und Shampoos.

Woraus bestehen Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren?

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren werden aus dem Ausgangsprodukt Glycerin (E 422) hergestellt und in einer chemischen Reaktion aus Glycerin und pflanzlichen (z. B. Soja) oder tierischen (Schlachtnebenprodukte) Fettsäuren gewonnen.

Wie erkenne ich Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren in Lebensmitteln?

Hinweis auf Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren in Lebensmitteln: Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, E 471, Glycerin, Mono- and diglycerides.

Da in der Zutatenliste nicht immer erkennbar ist, ob pflanzliches oder tierisches Glycerin verwendet wurde, ist es durchaus ratsam, direkt bei den einzelnen Herstellern anzufragen!

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Fazit

Für alle Veganer ist es also von größter Bedeutung, jedes einzelne Lebensmittel auf dessen Inhaltsstoffe zu prüfen, das nicht explizit mit „vegan“ deklariert und somit nicht eindeutig erkennbar ist, ob das jeweilige Lebensmittel frei von tierischen Zusatz- und Hilfsstoffen ist! Ein wichtiger Hinweis, tatsächlich ein veganes Produkt in den Händen zu halten, ist das „V-Label »“.

Info

Das V-Label ist eine international geschützte Marke zur Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln. In Deutschland wird die Vergabe des V-Labels durch den Vegetarierbund Deutschland e. V. (kurz VEBU) übernommen; Inhaber der Markenrechte am V-Label ist allerdings die „European Vegetarian Union“ (kurz EVU), die wiederum mit verschiedenenen Vegetarier-Vereine zusammenarbeitet.

Wer sich zudem intensiver über E-Nummern informieren möchte, dem empfehle ich den Ratgeber Was bedeuten die E-Nummern? » (Link zuletzt abgerufen am 05.10.2017, kein Werbelink) mit 89 Seiten inkl. ausklappbarer Symbolerklärung und Kurzfassung im Taschenformat von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dieser Ratgeber gibt umfassende und weiterführende Informationen zu allen E-Nummern.

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2 Kommentare
  1. Stefanie says:

    Danke Dir für diese tolle Seite. Und ja, ganz häufig sind Inhaltsstoffe mit drin, die eben doch am Tier getestet sind. Übrigens ist das auch ganz häufig bei Pflegeprodukten der Fall. Das Endprodukt wird dann als vegan deklariert, die einzelnen Inhaltsstoffe aber dann dennoch am Tier getestet. Man kann gar nicht gut genug schauen. Auf meiner Suche nach ethischen Produken bin ich fündig geworden und berichte hier (http://startefrisch.de/) darüber. Vielleicht ist es ja für den ein oder anderen auch interessant. Danke Dir für Deine vielen Inspirationen :-)

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    • voll veggie! says:

      Liebe Stefanie,

      herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar. Ich freue mich sehr, dass Du Dir für diesen Artikel Zeit genommen hast! Viele Menschen wissen tatsächlich nicht, wie viel Tier in Kosmetik-, aber leider auch – wie oben schon erwähnt – in vielen anderen Produkten des normalen Alltags steckt. Gern belasse ich den Link in Deinem Kommentar, da die Produkte für viele ganz sicher interessant und nützlich sind, und wünsche Dir weiterhin viel Freude mit meinem Blog :-) .

      LG
      Bettina von voll veggie!

      Antworten

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